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    Camphill ...
    ist der Name eines Ortes in Schottland, an dem im Jahre 1940 der Wiener Arzt Dr. Karl König eine erste heilpädagogische Einrichtung gründete. Camphill, das ist heute der Name einer Bewegung, die sich über viele Länder der Erde ausgebreitet hat. Camphill ist zugleich die Verwirklichung einer Idee: Die heilpädagogische und sozialtherapeutische Arbeit mit behinderten Menschen ist nur sinnvoll, wenn in ihr das soziale Zusammenwirken der Menschen überhaupt erneuert wird. Grundlage dieser Erneuerung und aller Camphill-Arbeit sind die Anthroposophie Rudolf Steiners und die wegweisenden Impulse Karl Königs. Wo immer in Camphill-Gemeinschaften Leben, Arbeit und Kultur gestaltet wird, zusammen mit Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen mit Behinderungen, da wirkt ein Gemeinsames: Diese Gemeinschaften haben sich zur Aufgabe gestellt, durch die Entwicklung ihres Zusammenlebens solche sozialen Lebensformen zu gestalten, die in gleicher Weise dem gemeinsamen Wohl aller als auch der Persönlichkeit des einzelnen Rechnung tragen können. In diesen Camphill-Gemeinschaften leben Menschen mit den verschiedensten Schicksalen, Fähigkeiten und Behinderungen. Jeder soll mit seinem unverwechselbaren Wesen und seiner Befähigung an dem gemeinsamen Leben teilnehmen können. Die Begriffe normal und nicht normal finden dabei keine Anwendung.

    Die Dorfgemeinschaft Lehenhof
    ... ist einer der Orte, an denen ein Leben in dieser Weise geübt wird. Der Lehenhof wurde 1964 noch durch Dr. Karl König selbst gegründet. Bei der festlichen Einweihung am 25.9.1965 stellte Karl König ein Ziel vor die damals anwesenden Menschen hin: "Es soll hier eine Stätte geschaffen werden, in der ein Zeichen der Menschlichkeit gesetzt wird - dies in einer Zeit, in der Unmenschlichkeit vielerorts auf der Welt erlebbar ist - eine Lebensgemeinschaft, in der Behinderte zusammen mit den Menschen wohnen, die ihnen helfen wollen, ihr Leben sinnvoll zu gestalten." Ein verlassenes Hofgut bildete die Keimzelle eines Gemeinwesens, in dem heute über 300 Menschen leben und arbeiten: Junge und Alte, Starke und Schwache, Familien mit Kindern und Alleinstehende. Ein Dorf ist entstanden mit Wohnhäusern und Werkstätten, zwei Landwirtschaften, einer Gärtnerei, einer Käserei, einer Krankenstation und einem Gemeinschaftsgebäude mit Festsaal und Therapieräumen.

    Die Hausgemeinschaften
    ... beruhen auf dem Zusammenwohnen von Menschen mit und ohne Behinderungen in familienähnlicher Weise. In einer solchen Hausgemeinschaft am Lehenhof leben zwischen drei und neun erwachsene Menschen mit Behinderungen zusammen mit Mitarbeitern und deren Kindern. Im Zusammensein mischen sich die verschiedensten Fähigkeiten und Unfähigkeiten, wird täglich ein Mit- und Füreinander geübt. Freuden und Sorgen haben hier ihren Platz. Im geschützten Raum der Hausgemeinschaft helfen wir uns gegenseitig: Was den einzelnen bewegt, was wir erleben und tun, das ordnet sich unter dem gemeinsamen Dach. So bildet sich im Laufe der Zeit aus einer Hausgemeinschaft eine Schicksalsgemeinschaft, in der jeder ein wenig das Los des anderen mitzutragen lernt.

    Das Arbeiten
    ... gehört zur Würde des Menschen. Gerade der behinderte Mensch trägt eine tiefe Sehnsucht nach sinnvollem Tun und einer ihn fordernden Tätigkeit in sich. Er weiß sich gebraucht und akzeptiert, wenn er mit seiner Arbeit zum Gemeinwohl beiträgt. Am Lehenhof entstand im Laufe der Jahre ein breites Spektrum an Arbeitsfeldern mit mannigfaltigen Arbeitsmöglichkeiten, um allen Menschen, die hier leben, eine ihnen entsprechende Tätigkeit anbieten zu können. Auch ist es unser Bestreben, Produkte herzustellen, die von Menschen im Alltag gebraucht werden und andererseits umweltverträglich hergestellt sind. In unseren Werkstätten hergestellt: Demeter-Brot, Käse, Naturtextilien, Web- und Knüpfarbeiten, Schulhefte und Holzprodukte. Weitere Arbeitsplätze finden sich in unseren Haushalten, in Landwirtschaft, Gärtnerei, Landschaftspflege und Hausmeisterei.

    Der kulturelle Bereich
    ... als Angebot und Aufgabe gehört zum Wesentlichen des Gemeinschaftslebens. Im Erleben des Jahreslaufes kommt der Festgestaltung eine große Bedeutung zu. Konzerte und Aufführungen, Musizieren, Singen, Eurythmie und Theaterspielen begleiten den Jahreskreis. Sie bereichern nicht nur durch die Darbietung selbst, sie haben in der Probenarbeit einen wichtigen Gemeinschaftsaspekt. Wir bemühen uns um ein kulturelles Leben nicht in erster Linie für die behinderten Menschen, sondern mit ihnen. Auch das ist Ausdruck unseres Bemühens, die Schranken zwischen "behindert" und "normal" zu überwinden.

    Der medizinisch-therapeutische Bereich
    hat in den vergangenen Jahren ein größeres Gewicht bekommen. Der Lehenhof wird älter und mit ihm seine Menschen. Alterserkrankungen und Pflegebedürfigkeit nehmen zu. Die Leistungsfähigkeit vieler ist geringer geworden. Dem einzelnen auch unter diesen Lebensbedingungen ein erfülltes Leben zu ermöglichen, bedeutet eine Herausforderung für die Gemeinschaft. Im Speziellen ist der Lehenhof ausgestattet mit einer Krankenstation, einer Reihe von Fachärzten, die den Lehenhof betreuen, mit Kranken- und Altenpflegern vor Ort, mit einem "Haus Sonnenblume" für Ältere und Pflegebedürftige und mit einer Auswahl an besonderen Therapien.