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Eine Camphill-Dorfgemeinschaft

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„Ich bin am Lehenhof, weil jeder Tag überraschend ist! Ich schätze den Zusammenhalt und die intensive Lebensweise, die wir haben.“ (Roland Fleming)

Eine Camphill-Dorfgemeinschaft

 

Die Dorfgemeinschaft Lehenhof samt der ihr angegliederten Werkstätten steht in der Tradition der „Camphill-Bewegung“.

‚Camphill’ ist der Name eines Ortes in Schottland, an dem im Jahre 1940 der Wiener Arzt Dr. Karl König eine heilpädagogische Gemeinschaft gründete.

Camphill ist heute der Name einer sozialen Bewegung, die sich über viele Länder der Erde ausgebreitet hat. In den Camphill-Gemeinschaften teilen Menschen mit den verschiedensten Begabungen und Behinderungen ihr Schicksal: Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Jeder soll mit seinem unverwechselbaren Wesen, seinen Fähigkeiten und Einschränkungen am gemeinschaftlichen Leben teilnehmen können. Die Begriffe „normal“ und „nicht normal“ werden dabei nicht verwendet.

Grundlage der Camphill-Arbeit sind die christliche Ethik, die Anthroposophie Rudolf Steiners und die heilpädagogischen Impulse Karl Königs.

Der Lehenhof wurde als erste Camphill-Dorfgemeinschaft in Deutschland im Jahr 1964 durch Karl König gegründet. Einige wenige Menschen begannen hier mit dem Aufbau einer sozialtherapeutischen Gemeinschaft: Ein verlassenes Hofgut bildete die Keimzelle eines Gemeinwesens, in dem heute über 300 Menschen leben und arbeiten. Ein ‚Dorf’ ist entstanden mit Wohnhäusern und Werkstätten, einem Kulturzentrum, Landwirtschaft, Gärtnerei, Ambulanz, Therapieräumen und schließlich einem Friedhof. In den umliegenden Ortschaften liegen weitere Häuser und Arbeitsstätten. Ein Einkaufsladen verkauft biologische Waren. Mit der Umgebung verbinden den Lehenhof vielfältige nachbarschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Kontakte.

Zur Dorfgemeinschaft gehören heute erwachsene Menschen mit verschiedenen Behinderungen, am Ort lebende Mitarbeiter, ihre Familien, Mitarbeiter im Ruhestand und Menschen, die außerhalb wohnen, aber täglich zur Arbeit kommen.

Lebensbereich „Wohnen“

 

Das gemeinschaftliche Wohnen war in seiner klassischen Form in überschaubaren, selbständigen Hausgemeinschaften angelegt, in denen die erwachsenen Menschen mit Behinderung und die Mitarbeiter mit ihren Familien einen gemeinsamen Haushalt führen: von der Verrichtung der täglichen hauswirtschaftlichen Aufgaben wie Kochen, Waschen, Hausreinigung und Gartenpflege über den gemeinsamen Tagesrhythmus (Mahlzeiten, Morgen- und Abendkreis) bis hin zu Möglichkeiten der Freizeit- und Wochenendgestaltung. Die Häuser sind entsprechend mit freundlichen Gemeinschaftsräumen, Funktions- und Sanitärräumen und mit privaten Räumlichkeiten für behinderte Menschen und Mitarbeiter ausgestattet.

Die immer individueller werdenden Bedürfnisse, auch der Menschen mit Hilfebedarf, waren in den vergangenen Jahren Anlass für den Lehenhof, sein Wohnangebot weiter zu differenzieren: Unsere Bewohner leben heute auch in kleinen Wohngemeinschaften, alleine in einem Appartement oder als Paar in einer eigenen Wohnung zusammen. Wir können Menschen mit hohem Pflegebedarf ein Haus mit spezieller Infrastruktur und entsprechend ausgebildetem Fachpersonal anbieten. Daneben leben viele Bewohner weiterhin sehr gerne mit den Mitarbeiterfamilien in kleinen oder größeren Hausgemeinschaften.

Bereits in den frühen Jahren der Entwicklung erweiterte der Lehenhof sich in die Gemeinden der Umgebung hinein. Neue Hausgemeinschaften ebenso wie weitere Werkstätten entstanden in Deggenhausen, Obersiggingen und Illmensee-Lichtenegg. Die Situation dieser Hausgemeinschaften ist geprägt von einer direkten Nachbarschaft zur bürgerlichen Gemeinde.

Alle unsere Häuser sollen Orte sein, die als Zuhause erlebt werden, wo man sich zugehörig fühlt, wo man durch vertraute Menschen Gemeinschaft und Unterstützung erfährt, wo man aber zugleich auch herausgefordert ist, eine (relative) Selbständigkeit in der Alltagsbewältigung zu erlangen, wo schließlich im gegenseitigen Geben und Nehmen Selbstwert und Würde erfahren werden.

Lebensbereich „Arbeit“

 

„Arbeit gehört zu den grundlegenden menschlichen Lebensäußerungen. Sie schafft Identität in unserem Verhältnis zur Welt. Unsere Arbeitsbedingungen in einer geschützten Umgebung sollen dieser Qualität gerecht werden. Am Lehenhof soll Arbeit sinnvoll sein und die Entwicklung und Selbstachtung des Arbeitenden fördern. Sie soll anderen Menschen nützen. Sie soll schließlich für die Umwelt verträglich sein oder ihr selbst dienen…“ (aus unserem Leitbild).

Es besteht ein breites Spektrum an Arbeitsfeldern, das eine individuell angemessene Arbeit ermöglichen soll.

Jungen Erwachsenen bieten wir eine Eingangsphase im Berufsbildungs-Bereich an. Hier sollen sich Neigungen und Fähigkeiten herausbilden. In dieser Phase, aber auch später, sind gelegentliche Wechsel der Arbeitsplätze im Sinne der Arbeitenden möglich.

In unseren Werkstätten entstehen: Demeter-Brot und -Käse, Naturtextilien, Web- und Knüpfarbeiten, Schulhefte und Holzprodukte. Dienstleistungen werden in den Haushalten und der Hausmeisterei, in der Verpackungs- und der Etikettierwerkstatt erbracht. Weitere Arbeitsplätze befinden sich in der Landwirtschaft, Gärtnerei und Landschaftspflege. Unsere Produkte werden in einem weiten Umkreis verkauft.

Lebensbereich „Kultur“

 

Kultur als Angebot und Aufgabe gehört zum Wesentlichen der persönlichen Entfaltung wie auch unseres Gemeinschaftslebens. Wir sehen in Bildung, Kunst und Spiritualität wesentliche kulturelle Äußerungen.

Der Jahreslauf wird am Lehenhof entsprechend der christlichen Jahresfeste gestaltet. Biographische Ereignisse wie Geburtstag, Taufe, Hochzeit, Verabschiedung, Bestattung werden gemeinsam gefeiert. In Schauspiel, Eurythmie, Musik und anderen Künsten finden gemeinsame Bemühungen ihren Ausdruck. Zahlreiche auswärtige Künstler geben im Festsaal Gastspiele. Tagungen und Bildungsangebote haben ihren festen Platz in unserem Leben und werden gerne wahrgenommen.

Im Sommer bietet der Lehenhof diverse zwei- bis dreiwöchige Urlaubsgruppen an, manche davon in anderen Ländern. An diesen Urlaubsgruppen nehmen jedes Jahr insgesamt ca. 100 behinderte Menschen teil.

Die kulturellen Angebote wurden in den vergangenen Jahren wesentlich ausdifferenziert, um möglichst individuellen Bedürfnissen der Bewohner zu entsprechen. Die ‚Kleine Volkshochschule am Lehenhof‘ bietet inzwischen ein Programm mit rund zwanzig verschiedenen Kursen an.

Ebenso nehmen wir Angebote in der Umgebung (Raum Friedrichshafen, Ravensburg, Überlingen) gerne wahr.

Landwirtschaft und Dorfimpuls

 

„Dort wo diese beiden Ströme – aus der erneuerten Landwirtschaft kommend und aus der umfassenden Heilpädagogik erfließend – sich begegnen, da entstand der Dorfimpuls als ein Neues, Drittes“ (Karl König, 04.09.1964).

Seit Bestehen der Dorfgemeinschaft Lehenhof entwickelte sich die Landwirtschaft zu einem vielseitigen Betrieb auf biologisch-dynamischer Grundlage mit den Schwerpunkten Tierhaltung und Gartenbau.

Über den Eigenbedarf des Dorfes hinaus hat sich der Lehenhof zu einem anerkannten Direktvermarkter von Demeter-Erzeugnissen entwickelt. Die Arbeit von Menschen mit Behinderungen dringt so ins öffentliche Bewusstsein und findet große Anerkennung.

Die biologisch-dynamische Landwirtschaft einschließlich der Gärtnerei und der Landschaftsgruppe pflegt die Naturgrundlage am Lehenhof. Sie schafft damit Umgebung und Atmosphäre für die Bearbeitung der vielschichtigen menschlich-sozialen Aufgaben, die sich der Dorfgemeinschaft Lehenhof stellen.

Ländlicher Raum

 

Die Lage des Lehenhofs im ländlichen Raum ist eine historische Tatsache. Wir können Infrastruktur und Möglichkeiten einer Stadt nicht anbieten. Dafür liegen wir in einer landschaftlich sehr reizvollen Umgebung. Die Kontakte zu den Nachbarn der umliegenden Ortschaften sind sehr gut. Wir sind integrativer Bestandteil des Kultur- und Vereinslebens und größter Arbeitgeber des Deggenhausertals. Der Bürgermeister nennt den Weiler ‚Lehenhof‘ einen „Ortsteil mit besonderen Aufgaben“.

Wir sehen unser Angebot als eine Wahlmöglichkeit für Lebensgestaltung neben anderen, auch städtisch geprägten. Für viele der heutigen Bewohner liegt ein besonderer Reiz in der landschaftlichen Einbettung des Lehenhofs am Bodensee sowie in seiner Prägung durch eine vielgestaltige Landwirtschaft mit Tierhaltung und Ackerbau, Gärtnerei und Landschaftspflege auf biologisch-dynamischer Grundlage.

Auf Stadtangebote müssen wir dennoch nicht verzichten. Der Lehenhof ist mit dem öffentlichen Busnetz verbunden. Daneben unterhalten wir einen eigenen Fuhrpark, der genutzt werden kann.



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